Detail - Zukunftsblick

Köstlich – nachdenklich - göttlich

19. Oktober 2018

Clowntheaterstück tourt durch Dekanat Südsauerland – Förderung durch das Erzbistum zur Umsetzung des Zukunftsbildes

"Ziel ist es, die Frohe Botschaft auch Menschen zu bringen, die nicht kirchlich sozialisiert sind oder sich von der Kirche aus unterschiedlichen Gründen distanziert haben" - für das Dekanat Südsauerland ein Grund, das ökumenische Theaterprojekt der Versammlung der Kirchenclowns für eine Tournee durch das südliche Sauerland zu verpflichten. Das Clowntheaterstück "Köstlich - oder: Kommt, es ist alles bereit" greift das Gleichnis vom Festmahl (Lk 14,15 ff) auf. Das Erzbistum Paderborn unterstützte das Vorhaben im Rahmen der "Förderung neuer Projekte zur Umsetzung des Zukunftsbildes".

Die Premiere im Pfarrheim Wenden hatte in dieser Woche eine neugierige Zuschauerschar angelockt, die gespannt und fragend auf einen vergnüglichen Abend warteten, der den Untertitel "Eine Stunde für kleine und große Menschenkinder ab 4 Jahren" trug. Kirchenclowns? Ein Theaterstück ohne Worte, aber mit Musik? Ein Gleichnis aus dem Lukasevangelium vom Festmahl? Wie passt das zusammen? Gemeindereferentin Barbara Clemens (PV Wendener Land) freute sich bei der Begrüßung über das große Interesse und die Vielschichtigkeit des Publikums: Jung und Alt, kirchennah und kirchen-ferner. Sogar einige Flüchtlinge waren der Einladung gefolgt.

"Vorhang auf" hieß es dann für fünf Kirchenclowns und eine Pianistin aus vier Konfessionen und Bundesländern, die die biblische Geschichte vom großen Gastmahl clownesk in Szene setzten. Clown Amanda (Andrea Gruhler) und Clown Leo (Steffen Schulz) begannen den Tag wie an jedem Morgen. Vorhänge aufziehen und Morgengymnastik, Zeitung lesen. Plötzlich stellten sie fest, dass schon heute der Festtag ist, auf den sie sich bereits seit langem freuen. Ihre Freunde sind eingeladen, der Tisch ist gedeckt. Doch keiner der Gäste kam. Guter Rat war teuer. Clown Florentine (Kerstin Esch) sprang ein. Sie wurde losgeschickt, um die geladenen Gäste zu erinnern. Doch alle hatten eine andere Ausrede für die Absage. Florentine versucht die Gastgeber zu erheitern, doch die Bemühungen waren vergebens. Dann kam ihr die rettende Idee. Sie machte sich auf den Weg und begegnete Clown Christophorus (Christoph Kinkel) und Clown Pauline (Gabi Kracker). Beide - Christophorus, der alte lebensmüde Gaukler, und die etwas drollige Pauline - folgten der Einladung mit Herzen. Am Ende war ein fröhlich-ausgelassenes Fest der Lohn. Bei Brot und Wein und fröhlichem Tanz ging das Publikum begeistert mit.

"Wir spielen dieses Gleichnis, weil wir möchten, dass sich alle an einen Tisch setzen, um miteinander zu reden, füreinander zu handeln und auch gemeinsam fröhlich zu sein", erläutert Clown Christophorus - alias Christoph Kinkel - die Spielidee: "Egal welcher Herkunft und welchen Glaubens wir sind. Schließlich lädt Gott uns dazu ein."

Seit 2010 gibt es die Versammlung der Kirchenclowns, die seit der Gründung in Halle/Saale in ökumenischer Verbundenheit unterschiedliche Konfessionen vertreten. Geeint sind sie auch im dem Anliegen, Kirchenclowns zu sein, die sich so definieren: Ein Clown ist ein Artist, dessen Kunst es ist, Menschen zum Staunen, Nachdenken und Lachen zu bringen. Dieses Ziel ist dem Quintett in Wenden und mit "köstlicher Pfiffigkeit" auch an den folgenden Spielorten Olpe, Attendorn, Drolshagen und Siegen gelungen.

Fest zum Ensemble gehört Christoph Kinkel, der im "normalen Leben" Gemeindereferent im Pastoralverbund Wendener Land ist, und sich über das Heimspiel besonders freute. Clownsein sei seine Berufung, der er seit 1991 nachgeht. Auch in Wenden habe er zwei Projekte ins Leben gerufen. Zusammen mit "Yogi" (Jörg Kuhle) leitet er den Kinder- und Jugendzirkus Zirkus Pfiffikus in Wenden und tritt mit Yogi als "Zwei echte Helden" auf. Als Klinikclown in der Kinderklinik Siegen, Clown in mehreren Altenheimen und letztlich Kirchenclown ist für Kinkel die Rolle ein hohes Gut: "Das Wesen des Clowns ist die Akzeptanz des Scheiterns als Teil unseres Lebens. Der christliche Clown gibt nicht auf und ist somit eine österliche Figur, die immer nach neuen Lösungswegen sucht und nicht im Scheitern stecken bleibt, sondern von der Hoffnung lebt, dass Gottes Möglichkeiten weitaus größer sind als unsere menschlichen Unzulänglichkeiten." Vor jedem Auftritt gehört es für Christoph Kinkel zur Tradition ein Gebet zu sprechen, dessen letzter Satz lautet: "when you made my people smile, you made me smile - wenn du meine Menschen zum Lachen gebracht hast, hast du mich zu zum Lachen gebracht."

Eine wichtige Rolle im Clowntheater zur Unterstützung der Dramaturgie kommt auch der begleitenden Piano-Musik zu. Almuth Schulz (Halle/ ev.-uniert) hat Spaß an ihrer Aufgabe im Hintergrund. "Spannung aufbauen oder Bewegung unterstützen, das ist alles möglich mit Musik. Da sind Parallelen zu alten Stummfilmen zu finden. Bei allen unterschiedlichen Clowns ist auch unterschiedliche Musik erforderlich", weiß Schulz, dass sie ein wichtiger Mitspieler ist. Denn die Powermusik muss bei akrobatischen Einlagen genau auf den Punkt passen. Genauso spannend ist für sie aber auch, dass sie in die Vorführung auch Lieder wie zum Beispiel "Segne Vater diese Speise" passend einbauen kann.

"Ich hatte keine Lust mehr im Büro zu sitzen und bin dann selbst aktiver Clown geworden", bekennt Clown Leo, dessen Clownerie der Hamburger Clown und Theatermacher Helmut Ferner maßgeblich beeinflußt hat. Clown Leo - das ist Steffen Schulz, zugleich Ehemann der Pianistin und baldiger Pfarrer. "Nach 20 Jahren werde ich als Clown aufhören und eine Pfarrstelle antreten", sagt Steffen Schulz, der lange eine Künstleragentur geleitet hat: "Einfach nur ein Clown wollte ich werden. Dazu hatte ich Lust. Obgleich ich nicht wusste, welche Tiefe dieser Beruf mit sich bringt. Und an eine religiöse, christliche, kirchliche Dimension habe ich schon gar nicht gedacht. So habe ich mir also die Kirchenclownerie nicht ausgewählt, wenngleich mein erster Auftritt zu einer Veranstaltung des CVJM war."

Lange standen die Clowns ihrem Publikum in Wenden noch für Nachfragen zur Verfügung. Der Austausch über die biblische Geschichte und auch dem Clownwesen ist ihnen wichtig. Und nicht zuletzt teilen sie den Grundsatz: Lachen aus lauter Lebendigkeit und ein Humor, der von festen Meinungen und Bewertungen löst, befriedet, erheitert und verbindet.

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