Detail - Zukunftsblick

„Was ‚bringt’ das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn den Priestern?“

24. November 2014

(v.l.n.r.): Dr. Daniela Engelhard, Dr. Jan Loffeld, Professor Dr. Thomas Großbölting, Professor Dr. Thomas Ruster, Erzbischof Hans-Josef Becker, Msgr. Dr. Michael Bredeck, Msgr. Dr. Michael Menke-Peitzmeyer.

Erzbischof Hans-Josef Becker bei seiner Eröffnungsrede zum Herbstpriestertreffen.

Dr. Daniela Engelhard, Leiterin des Seelsorgeamtes der Diözese Osnabrück im Gespräch mit Msgr. Dr. Michael Bredeck.

Rund 230 Priester und Ständige Diakone aus dem Erzbistum Paderborn nahmen am Herbstpriestertreffen teil.

V.l.n.r.: Dompropst Msgr. Joachim Göbel, Weihbischof Matthias König, Pfarrer Georg Birwer, Msgr. Dr. Michael Bredeck, Regens Msgr. Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, Dechant Hubertus Böttcher.

Paderborn, 24. November 2014. Erzbischof Hans-Josef Becker begrüßte am Montag beim traditionellen Herbstpriestertreffen rund 230 Priester und Ständige Diakone aus dem Erzbistum Paderborn in der Kaiserpfalz in Paderborn.

Paderborn, 24. November 2014. Erzbischof Hans-Josef Becker begrüßte am Montag beim traditionellen Herbstpriestertreffen rund 230 Priester und Ständige Diakone aus dem Erzbistum Paderborn in der Kaiserpfalz in Paderborn. Das Treffen thematisierte die Frage „Was ‚bringt’ das Zukunftsbild den Priestern im Erzbistum Paderborn?“ Fünf externe Experten, die in ihrem beruflichen Kontext mit Fragen der Veränderung in der Kirche befasst sind, blickten aus ihrer „Außenperspektive“ auf das Zukunftsbild, das Erzbischof Hans-Josef Becker am 25. Oktober 2014 im Rahmen eines Diözesanen Forums in Kraft gesetzt hat. In Vertiefungsgruppen und in Interviews mit Verantwortungsträgern wurden die Impulse am Nachmittag diskutierte. Dem abschließenden Vespergottesdienst im Hohen Dom zu Paderborn stand Erzbischof Hans-Josef Becker als Offiziant vor.

In seiner Eröffnungsrede betonte Erzbischof Hans-Josef Becker, dass das im Oktober von ihm in Kraft gesetzte Zukunftsbild keineswegs stillschweigend zu den Akten zu legen sei: „In einem intensiven Prozess der Aneignung soll es mehr und mehr zum Integral der Pastoral unserer Erzdiözese werden. Das erste und wichtigste, was nun vor Ort und somit auch bei Ihnen geschehen muss, ist der Prozess der eigenen und gemeinschaftlichen Aneignung. Dieser Prozess wird die Basis sein für eine gemeinsame, uns alle betreffende und herausfordernde Entwicklung“, sagte Erzbischof Becker.

Ein erster konkreter Schritt in diesem Prozess sei das Herbstpriestertreffen, das danach frage, was das Zukunftsbild den Priestern und Diakonen im Erzbistum Paderborn „bringe“. „Das ist eine berechtigte Frage, deren Beantwortung erheblichen Einfluss darauf haben wird, wie fruchtbar das Zukunftsbild für unseren Dienst und für die Gemeinden im Erzbistum sein wird. Bei allen Herausforderungen und Belastungen, die ein solches Projekt auf die Dauer mit sich bringt, möchte ich heute Vormittag den Fokus auf die Chancen, Ressourcen und Synergien legen, die mit dem Zukunftsbild ebenfalls verbunden sind“, so Erzbischof Becker zum Abschluss seiner Einführung.

Im Anschluss gab ein Filmbeitrag einen Einblick in das Diözesane Forum, auf dem Erzbischof Becker am 25. Oktober 2014 das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn in Kraft gesetzt hatte. Regens Monsignore Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, Bischöflicher Beauftragter für die Priesterfortbildung im Erzbistum Paderborn, stellte anschließend gemeinsam mit den Mitarbeitern der Priesterfortbildung, Dr. Bergit Peters und Msgr. Dr. Michael Bredeck, der zugleich Geschäftsführer der Lenkungsgruppe „Perspektive 2014“ ist, die zwölf Kernaussagen des Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn vor. Diese reichen von „Jesus Christus entschieden bekennen“ über „Berufungen und Charismen dienen“ bis hin zu „Vielfalt ermöglichen“.

Fünf externe Fachleute, die in ihrem beruflichen Alltag mit Fragen der Veränderung in der Kirche befasst sind, gaben anschließend jeweils einen Impuls zu ihrer „Außenwahrnehmung“ des Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn. Dr. Daniela Engelhard, Leiterin des Seelsorgeamtes der Diözese Osnabrück und Beraterin der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, sagte: „Das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn betont neue Haltungen und Formen der Kommunikation und Beteiligung. Zudem greift es viel von dem auf, was Papst Franziskus als ‚neuer Stil der Evangelisierung’ am Herzen liegt.“ Das Zukunftsbild ermögliche Orientierung und Verlässlichkeit, gleichzeitig aber auch viel Freiraum, so die Theologin weiter. Die im Zukunftsbild beschriebenen  Haltungen würden Chancen zu einer neuen Entfaltung des priesterlichen Dienstes bieten. Leitung sei immer auch ein Gemeinschaftswerk: „Da wo Christen Verantwortung übernehmen, wird Gemeinde lebendig sein. Bei allen anstehenden Strukturveränderungen darf die eigentliche Seelsorge als Zuwendung zum Menschen nicht auf der Strecke bleiben“, so Dr. Engelhard.

Professor Dr. Thomas Großbölting, Professor für Neue und Neueste Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, kennzeichnete das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn als „ehrlich und realitätsbezogen“. Er beschrieb in seinem Impuls den Prozess der rasanten Entkirchlichung, der sich in Deutschland seit Ende der Sechziger Jahre vollzogen habe. Dafür sei nicht allein die Säkularisation ein Grund. „Das Thema ‚Transzendenz’ boomt heute weltweit und dabei ist das Christentum sogar der klare Gewinner, jedoch nicht in seiner uns in Europa bekannten konfessionellen Form, vielmehr in freikirchlichen und evangelikalen Gruppen“, führte der Historiker aus. Der „Code“ der Verkündigung habe sich geändert: Verkündigung funktioniere nicht mehr mit Vokabeln wie „Sünde“ und „Sühne“, vielmehr mit Begriffen wie „Verletzung“ und „Heilung“. Die Idealfigur des Christen sei heute der „Suchende“. Für die Kirche gelte es, suchende Menschen mit ihrem Angebot zu inspirieren.

Dr. Bergit Peters trug die Thesen von der erkrankten Dr. Claudia Kunz vor. Das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn lade zu einer Umkehr zum Evangelium ein, so die Geschäftsführerin der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste der Deutschen Bischofskonferenz. Es setze auf die Verantwortung aller Getauften. Damit verabschiede es sich vom Bild des Priesters als Einzelkämpfer. Dieses Zukunftsbild ‚bringe’ den Priestern vor allem eine Entlastung. Diese Entlastung der Priester müsse gewollt und angenommen werden, damit sie nicht zur Kränkung werde.

Der promovierte Pastoraltheologe Dr. Jan Loffeld, Assistent am Dogmatischen Seminar der Universität Münster und Priester des Bistums Münster, machte deutlich: „Das Zukunftsbild hat in der Tat keine Angst vor der Zukunft. Es bekennt sich zur Gegenwart als ‚Zeichen der Zeit’, in die die Kirche von Gott hineingestellt ist.“ Zudem ermögliche das Zukunftsbild ein „Freigeben unter der Voraussetzung gegenseitiger Loyalität“. In diesem Sinne werde die Aneignung des Zukunftsbildes als gemeinsame Aufgabe und das Erzbistum Paderborn als eine lernende Organisation definiert. Der Priester aus Münster lobte die besondere Betonung der Kategorie der Berufung: „Kennzeichen der Säkularisation ist es, dass der Begriff ‚Gnade’ kaum noch Relevanz besitzt. Berufung betont diese Gnade jedoch neu, denn Berufung ist ein Gnadengeschehen, das die Erwählung des Menschen durch Gott sichtbar werden lässt.“

Auch Professor Dr. Thomas Ruster, Professor für Katholische Theologie und ihre Didaktik mit dem Schwerpunkt Systematische Theologie/Dogmatik an der Universität Dortmund, sagte: „Der Begriff der Berufung ist nicht nur theologisch bedeutsam. Denn nichts bewegt und motiviert einen Menschen so sehr, wie eine Aufgabe, die ihm zugetraut und zu der er berufen wird. Aus diesem Grund ist der Begriff der Berufung voller Verheißung.“

Am Nachmittag wurde das Thema des Herbstpriestertreffens in Gruppen von den teilnehmenden Priestern und Diakonen weiter vertieft. Anschließend gaben fünf Verantwortungsträger aus dem Erzbistum Paderborn im Interview mit Msgr. Dr. Michael Bredeck    Auskunft über ihre Erwartungen an die Aneignung des Zukunftsbildes. Propst Hubertus Böttcher, Dechant des Dekanates Hochsauerland-West, sagte, er hoffe auf eine innere Erneuerung durch das Zukunftsbild. Dafür müsse miteinander ein Weg des Vertrauens gegangen werden. Unterschiedliche Persönlichkeiten in den Kirchengemeinden seien als Gabe und Geschenk anzunehmen. Weihbischof Matthias König zeigte sich zuversichtlich, dass das Zukunftsbild im Zuge der Aneignung in den Herzen der Menschen ankomme. „Es geht nicht nur darum, Räume neu zu ordnen, vielmehr auch uns selbst. Wir müssen neu Lernende werden“, sagte Pfarrer Georg Birwer, Geschäftsführer des Priesterrats im Erzbistum Paderborn. Dompropst Msgr. Joachim Göbel, Leiter der Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn, bezeichnete es als besondere Aufgabe, die Schulen als pastorale Orte mit der Gemeindepastoral zu verzahnen. Regens Msgr. Dr. Michael Menke-Peitzmeyer erläuterte, dass zwar in der Ausbildung angehender Priester eher die Frage nach der persönlichen Berufung im Vordergrund stehe, dass die Grundhaltungen des Zukunftsbildes, wie beispielsweise Vertrauen und Verantwortung, aber dennoch in der Hausgemeinschaft des Erzbischöflichen Priesterseminars eingeübt würden.

„Ich habe heute die persönliche Ermutigung erfahren, dass wir mit großer Sensibilität in den letzten Jahren auf etwas hingearbeitet haben, mit dem wir in Verantwortung für die Menschen, die uns anvertraut sind, unserer Sendung vor Gott gerecht werden können. Daher bin ich dankbar und zuversichtlich, dass der vor uns liegende Weg in Solidarität weiter gegangen wird“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seinem Schlusswort.

Die Teilnehmenden beteten in der Mittagszeit gemeinsam die Sext. Im Hohen Dom zu Paderborn wurde zum Abschluss des Priestertreffens ein Vespergottesdienst gefeiert. Erzbischof Hans-Josef Becker stand dem Gottesdienst als Offiziant vor. 


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