Detail - 10Jahre..

„Aufbruch in ein unbekanntes Land“

30. Oktober 2004

In einem programmatischen Vortrag formulierte Erzbischof Hans-Josef Becker zum Beginn der Tagung seine Vorstellungen.

Generalvikar Manfred Grothe begrüßte die mehr als 200 leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im großen Saal der Katholischen Akademie.

In acht verschiedenen Arbeitsgruppen debattierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Herausforderungen für die Umsetzung der „Pastorale Perspektive 2014".

Schwerte, 30. Oktober 2004. Auf einer Fachtagung in der Katholischen Akademie Schwerte informierte Erzbischof Hans-Josef Becker rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über seine Zielvorstellungen für ein pastorales Arbeitsprogramm in den kommenden zehn Jahren.

Schwerte, 30. Oktober 2004. „Umbruchzeiten sind Gnadenzeiten.“ Diesen Hinweis aus dem jüngst verlesenen Hirtenwort der Deutschen Bischöfe zum Bonifatiusjubiläum stellte Erzbischof Hans-Josef Becker an den Anfang seines Vortrages. Auf einer Fachtagung in der Katholischen Akademie Schwerte informierte er rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über seine Zielvorstellungen für ein pastorales Arbeitsprogramm in den kommenden zehn Jahren.

Ausgangspunkt seiner Überlegungen war eine Analyse der derzeitigen pastoralen Situation im Erzbistum – einer „Schwellenzeit“, so de Erzbischof. Dafür bezog er sich auf die Ergebnisse der Pastoralgespräche, die ihn im vergangenen halben Jahr in alle 40 Dekanate des Erzbistums geführt hatten. Auch die Erkenntnisse der Studie „Trendmonitor Religiöse Kommunikation“ bezog er in seine Analyse mit ein. Schließlich benannte er weitere für ein Verständnis der gegenwärtigen Situation wichtige Faktoren. Dazu zählte er die ständig abnehmende Zahl der Katholiken im Erzbistum, der anhaltende Rückgang der Priesterzahlen und der Kirchensteuereinnahmen.

In dieser Situation machte Erzbischof Becker die Konzentration aller Kräfte als Mission der Erzdiözese für die kommenden Jahre aus. Mit seinem bischöflichen Leitwort aus dem Lukasevangelium „Auf dein Wort hin werfen wir die Netze neu aus“ verbinde er die Hoffnung, „dass wir in der Konzentration auf die wesentlichen Herausforderungen zu einem erneuten Aufbruch in der Pastoral gelangen“. Die Verankerung im Evangelium sowie die Offenheit für die Fragen, Sorgen und Nöte der Menschen seien die beiden Pole, um die sich alle Bemühungen drehen sollten.

Der Erzbischof stellte klar, dass man bei den Bemühungen für eine „Pastoral der Zukunft“ nicht am Punkt Null anfangen müsse, sondern einen bereits eingeschlagenen Weg fortsetzen und weiterentwickeln könne. Er verwies auf den „Halbzeit-Zwischenbericht“ aus dem Jahr 2001 zur Entwicklung pastoraler Perspektiven mit seiner Einsicht, dass die Gläubigen die Veränderungen nicht als Objekte über sich ergehen lassen, sondern als Subjekte mitgestalten wollten.

Erzbischof Becker betonte im Folgenden ausdrücklich, dass die Pastoral der Zukunft „nicht defizit-orientiert“ sei, sondern sich auf die „immer noch reichlich vorhandenen Ressourcen“ besinne. „Es geht mir um eine Vergewisserung der Kräfte, die Gott in uns in unserem Bistum in einer großen Vielfalt geschenkt hat“, sagte er wörtlich. Dabei hob er zunächst hervor, dass ein neuer Aufbruch eine Gemeinschaftsaufgabe aller katholischen Christen sei und in der weltweiten Gemeinschaft der katholischen Kirche, aber auch in ökumenischer Verbundenheit mit den Christen anderer Konfessionen geschehe. Als „eine unserer größten Stärken“ bezeichnete der Erzbischof dann die große Zahl ehrenamtlich Engagierter auf allen Ebenen des Erzbistums. Dieses Engagement solle auch in Zukunft gestärkt und unterstützt werden. Besondere Aufmerksamkeit solle auch dem pastoralen Personal, den Priestern, Ständigen Diakonen und Gemeindereferentinnen und –referenten, sowie den Ordenschristen gelten. Unter dem Stichwort „Kooperation und Konzentration“ kündigte er schließlich an, dass die Pastoral in allen Strukturen des Erzbistums noch stärker aufeinander abgestimmt werden müsse.

Diese Ressourcen und Kräfte seien die Grundlage für die pastorale Entwicklung im Erzbistum Paderborn in den nächsten zehn Jahren, die sich vorrangig in drei Zielfeldern konzentrieren solle: „Aus dem Glauben an den Dreifaltigen Gott leben und diesen Glauben neu ins Gespräch bringen“ lautete die Überschrift für das erste dieser Felder. In das Zentrum seiner Überlegungen stellte der Erzbischof hier die Kirche „als das Ur-Sakrament schlechthin“: „Als auf Jesus Christus gegründete und vom Heiligen Geist belebte Gemeinschaft gibt sie uns Anteil am göttlichen Heil.“ Diese Nähe Gottes in der Kirche werde in den Sakramenten konkret. Im Rahmen einer notwendigen Konzentration aller pastoralen Bemühungen läge daher ein deutlicher Schwerpunkt auf den Eingliederungssakramenten, wobei künftig erwachsene Taufbewerber und die Eltern der neu getauften Kinder stärker in den Blick genommen müssten. Weiterhin kündigte der Erzbischof neue Bemühungen um eine katechetische Erschließung der Eucharistiefeier an, „um eine bewusste aktive Teilhabe aller Gläubigen im Sinne des Zweiten Vatikanums zu fördern“. Gefördert werden sollten auch die „Wege der geistliche Vertiefung und Erneuerung der Gemeinden“, die religiös-theologische Bildung und die Fortbildung der Hauptamtlichen.

„Die Zuwendung des Mensch gewordenen Gottes durch alle Phasen des Menschlichen Lebens bezeugen“ nannte Erzbischof Becker als zweites Zielfeld. Zu verkünden und zu bezeugen, dass die froh machende Botschaft Jesu Christ allen Menschen gelte, sei der besondere Auftrag aller Christen. Konkret werde dies im Schutz und in der Achtung des Lebens in all seinen Phasen sowie in der Stärkung von Ehe und Familie als „christliche Ur-zellen“. Der Erzbischof kündigte an, dass das Erzbistum sein Engagement in der Jugendpastoral fortsetzen werde, wobei er die Berufungspastoral als wichtiges Arbeitsfeld ausdrücklich einschloss. Dass die pastorale Zukunftsperspektive bewusst in die Pastoral der Diakonie investiere, sei ihm äußerst wichtig. Denn für viele Menschen beginne die Überzeugungskraft des Evangeliums und der Kirche mit der Überzeugungskraft der Diakonie.

„Als missionarische Kirche mit Gottes Geist die Welt mitgestalten“: Mit diesem dritten Zielfeld schloss Erzbischof Becker seine Überlegungen ab. Es gelte, „diese missionarische Seite der Kirche erneut in die Mitte unseres pastoralen Bemühens zu stellen“. Dazu müsse die Kirche verstärkt neue Zugänge zu den vielfältigen Lebenswelten und –formen unserer Zeit suchen. „Mit Phantasie und Mut wollen wir uns besonders um einladende Angebote für Zeitgenossen bemühen, die nicht kirchliche sozialisiert sind, sich abgewandt haben, oder den christlichen Glauben und unsere Kirche (noch) nicht kennen“, so der Erzbischof. Zusammen mit anderen Kirchen werde man auch die Kräfte konzentrieren, „um die soziale, politische, kulturelle und mediale Welt mitzugestalten und somit der Stimme der Christen in unserer Gesellschaft Gehör verschaffen“. Dass die Besinnung auf das Wesentliche unserer kirchlichen Berufung in gut biblischem Sinne der Aufbruch in ein unbekanntes Land sei, werde an diesem Zielfeld besonders deutlich. 


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