Themenliste

Wie wird Achtsamkeit zu einer Kultur bzw. zu einer grundlegenden Haltung?
Engagement und Professionalität

Gegenwartsbild

  • Das Bewusstsein dafür, dass jedes Verhalten eine Wirkung hat und dass diese je nach Mensch, persönlicher Beziehung, Situationskontext unterschiedlich ist, ist nicht immer und bei jedem fühlbar. Was für den einen selbstverständlich ist, kann für einen anderen undenkbar sein.
  • Im Umgang miteinander kommt es immer wieder zu Reibungen, zur Übertretung von Grenzen. Worte, Gesten und Blicke können verletzen - eine Begegnung auf Augenhöhe und ein wertschätzender Umgang miteinander ist nicht immer und überall selbstverständlich.
  • Grenzen werden in vielen Fällen oft unüberlegt / unbeabsichtigt verletzt. Im Miteinander spüren wir eine Verunsicherung im Umgang mit (professioneller Gestaltung von) Nähe und Distanz (Spannungsfeld zwischen "Berührungsangst und Grenzüberschreitungen").
  • Die intensive Auseinandersetzung mit eigenen Haltungen soll ein Schlüssel sein, um die Kultur der Achtsamkeit zu fördern, Verantwortung zu übernehmen und diese Haltung im (Arbeits-)alltag in Handlungen umzusetzen.

Zielbild

  • In kirchlichen Diensten und Einrichtungen finden Menschen in ihren Lebenssituationen Räume, in denen sie ihre Persönlichkeit, ihre Fähigkeiten und Begabungen entfalten können und in denen sie sich angenommen und sicher fühlen.
  • Prävention ist zu einem integralen Bestandteil kirchlicher Arbeit geworden und trägt als Grundprinzip pädagogischen Handelns dazu bei, dass die Menschen in kirchlichen Diensten und Einrichtungen in ihrer Entwicklung zu eigenverantwortlichen, glaubens- und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten gestärkt werden.
  • Menschen spüren, dass dem Erzbistum Paderborn gelebte Achtsamkeit, Wertschätzung, Respekt und Transparenz sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit Nähe und Distanz und einem Grenzen achtenden Umgang im (Gemeinde-) Alltag wichtig sind.
  • Durch die Beteiligung möglichst vieler Menschen, die mitdenken, weiter denken und Neues denken gelingt Prävention als dauerhafter und wirksamer Bestandteil in der (pastoralen) Praxis.

Erfahrungen und Konzepte

  • Die Entwicklung und Verwirklichung von Maßnahmen zur Prävention braucht Partizipation in Zusammenarbeit mit allen hierfür relevanten Personen und Gruppen. Dazu gehören auch die Kinder und Jugendlichen sowie die schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen selbst.
  • Ein solch intensiver Lern- und Entwicklungsprozess braucht Zeit und setzt eine Haltung voraus, die man weder befehlen noch verpflichten kann.
  • Viele Menschen in den Diensten und Einrichtungen des Erzbistums Paderborn helfen aus ihrer Grundhaltung heraus mit, dass Prävention grundsätzlich und selbstverständlich in die tägliche (Erziehungs-)Arbeit mit Kindern, Jugendlichen sowie schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen integriert wird.
  • Präventionsarbeit kann dazu beitragen, die Grundhaltung einer Kultur der Achtsamkeit zu fördern und daraufhin zu wirken, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Schutz von jungen Menschen sowie schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen als selbstverständlichen Auftrag in ihrem Tun verstehen.
  • Mit der Entwicklung von institutionellen Schutzkonzepten, die vom Träger/der Leitung/dem Vorstand initiiert werden, wird die Diskussion über Verbindlichkeit und Achtsamkeit aufrechterhalten. Das Institutionelle Schutzkonzept gibt Orientierung und Sicherheit für alle Beteiligten in den Diensten und Einrichtungen und befähigt dazu, Verantwortung für den Schutz der anvertrauten Menschen zu übernehmen.
  • Bestehende Konzepte und laufende pastorale Prozesse haben oft wesentliche Aspekte der Achtsamkeit und der Präventionsarbeit bereits benannt. Damit können sie eine gute Grundlage bei der Schutzkonzepterstellung sein.
  • Bei der Erstellung zukünftiger Konzepte und Pastoralvereinbarungen ist es hilfreich, die Präventionsarbeit explizit einzubeziehen.
  • Es ist und bleibt wichtig, der Unterschiedlichkeit der Pastoralen Räume sowie der Dienste und Einrichtungen Rechnung zu tragen. Ein einheitliches Konzept, das für alle gilt, kann es nicht geben.

Bezüge und Stolpersteine

  • In der Präventionsarbeit (Schulungen, Fachtage, Entwicklung Institutioneller Schutzkonzepte) gegen sexualisierte Gewalt verändern sich Einstellungen von Teilnehmenden zur Thematik. Vielen wird deutlich, wie sehr das Thema einer gelebten Kultur der Achtsamkeit mit ihnen persönlich zu tun hat. Die Erkenntnis "Wenn man sich etwas nicht vorstellen kann, kann man es auch nicht erkennen." (vgl. Werner Tschan, 2012) ist vielfach ein Schlüssel, um für die Thematik zu sensibilisieren.
  • In der (reflexiven) Auseinandersetzung mit der Thematik wird vielfach deutlich, wie wichtig es ist, die Signale des Anderen zu achten, die eigenen Grenzen deutlich zu zeigen und Grenzüberschreitungen klar zu benennen. "Achtsamkeit bedeutet schwache Signale wahrnehmen, ohne aus jedem Wind ein Feuer zu machen" (Schröer, Wolfgang (2014)).
  • Bei nicht wenigen schwingt in der Beschäftigung mit dem Thema "sexualisierte Gewalt" Unbehagen mit. Die Bearbeitung wird schnell als zusätzliche Belastung neben den vielfältigen Anforderungen z.B. im Bereich der Gemeindepastoral empfunden. Befürchtungen, Haupt- und Ehrenamtliche durch die Forderung von Schulungen und Führungszeugnissen abzuschrecken oder zu überfordern, bzw. diese unter einen "Generalverdacht" zu stellen, bringen viele Widerstände mit und erschweren so den Zugang zur Auseinandersetzung mit dem Thema.
  • Die Debatte um sexualisierte Gewalt berührt zwei zentrale, jedoch gleichzeitig begrenzt sprachfähige Themenkomplexe: Sexualität und Macht.

Ansprechpartner für das Thema

Karl-Heinz Stahl
Tel. (0 52 51) 1 25 12 13
E-Mail: karl-heinz.stahl(ät)erzbistum-paderborn.de

 

 

Anna Meermeyer-Decking
Tel (0 52 51) 1 25 14 27
E-Mail: anna.meermeyer-decking(ät)erzbistum-paderborn.de

 

 

 

Miriam Merschbrock
Tel. (0 52 51) 1 25 1427
E-Mail: miriam.merschbrock(ät)erzbistum-paderborn.de

Workshop beim Diözesanen Forum 2017

Das Thema wird beim Diözesanen Forum im Rahmen eines Workshops zur Beratung gestellt. Der Workshop findet statt am Samstag, 30. September 2017, von 10.15 bis 11.45 Uhr im Gymnasium Raum 01.

Kurzbericht zum Diözesanen Forum

Ergebnisse

Was konkret ist passiert?

  • Workshop und Marktstand während des Diözesanen Forums:

               - Informationen

               - Annäherung an die Thematik

               - Austausch und Reflexion im Workshop 

  • Intensive Gespräche mit Teilnehmenden zur „Kultur der Achtsamkeit“  im gemeindepastoralen Zusammenhang (auch: Umgang miteinander, Respekt, Wertschätzung…)
  • Verzahnung der Kultur der Achtsamkeit mit pastoralen Entwicklungen vor Ort (Möglichkeiten und Schwierigkeiten)

Warum ist es passiert?

  • Eine Kultur der Achtsamkeit soll integraler Bestandteil aller kirchlichen Arbeit sein (vgl. Rahmenordnung der Deutschen Bischofskonferenz).
  • Die Thematik ist grundsätzlich eine „Haltungsfrage“. 
  • Es wurde sehr deutlich, dass es bei der Umsetzung der Präventionsordnung Ungleichzeitigkeiten gibt.

Was waren die Folgen, und wie bewerten Sie sie?

 

 

Material und weiterführende Informationen

  • verstärkte Anfragen nach unseren Materialien, insbesondere zur Entwicklung von institutionellen Schutzkonzepten
  • Unsere Arbeitshilfen sind jetzt auch auf der Website www.praevention-erzbistum-paderborn.de zu finden.

Erkenntnisse

Was lässt sich aus den Ergebnissen lernen?

  • Die Entwicklung einer Kultur der Achtsamkeit braucht Zeit. 
  • Die Entwicklung einer Kultur der Achtsamkeit muss von der Leitung auf der jeweiligen Ebene gewollt und unterstützt werden. 
  • Die Entwicklung einer Kultur der Achtsamkeit benötigt Partizipation, wenn sie dauerhafter und wirksamer Bestandteil der pastoralen Praxis sein soll.
  • Die Entwicklung der Kultur der Achtsamkeit wird als zusätzliche Anforderung wahrgenommen, die sich dann in einem Spannungsfeld mit den komplexen und unterschiedlichsten Anforderungen in der Gemeindepastoral bewegt. Sie wird mehr als zusätzliche Belastung denn als Chance wahrgenommen.

Welche Empfehlungen lassen sich daraus ableiten?

  • Bei der Entwicklung einer Kultur der Achtsamkeit ist die Unterschiedlichkeit der Räume zu beachten.
  • Die Trägervielfalt vor Ort kann bereichern und sollte aktiv in den Blick genommen werden: voneinander und miteinander lernen.

Was ist der Nutzen dieser Empfehlungen?

  • In kirchlichen Diensten und Einrichtungen finden die unterschiedlichsten Menschen in ihren jeweiligen Lebenssituationen Räume, in denen sie ihre Persönlichkeit, ihre Fähigkeiten und Begabungen entfalten können und in denen sie sich angenommen, respektiert, wertgeschätzt und sicher fühlen.

Weiterführende Links

Vorgaben der Deutschen Bischofskonferenz: 

  • Rahmenordnung Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und erwachsenen Schutzbefohlenen im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz (Deutsche Bischofskonferenz, September 2013)
  • LEITLINIEN für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker, Ordensangehörige und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz (Deutsche Bischofskonferenz, August 2013)

Beide Texte und weitere Informationen stehen unter www.praevention-kirche.de zur Verfügung.

Vorgaben des Erzbistums Paderborn:

  • Ordnung zur Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen für die Erzdiözese Paderborn (PrävO, Mai 2014)
  • Ausführungsbestimmungen zur Präventionsordnung (Paderborn, Juli 2016)

Beide Texte stehen unter diesem Link zum Download zur Verfügung. Zahlreiche weitere Informationen zum Thema Prävention im Erzbistum Paderborn auch unter www.praevention-erzbistum-paderborn.de.

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