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06. März 2017

Abbrüche

Zwischen Fastnacht und Fastenzeit liegt ein Abbruch. Etwas wird angehalten. Als jemand, der Karneval gefeiert und dann an Aschermittwoch das Aschenkreuz empfangen hat, habe ich diesen Abbruch erst vor wenigen Tagen wieder erlebt. Und gemerkt: ein bisschen Fastnacht in die Fastenzeit mitzunehmen, geht einfach nicht.

In meiner karnevalsbegeisterten Heimatgemeinde im Saarland wurde am späten Abend des Fastnachtsdienstag immer "die Faasenaacht" beerdigt. Zuerst gab es noch einige Stunden lang närrisches Treiben im Pfarrheim, doch dann, kurz vor Mitternacht, wurde "die Fastnacht" hereingetragen, symbolisiert durch einen toten Fisch an einer Angel. Alle brachen in lautes Geheule aus, das bis genau 0 Uhr dauerte. Und dann war schlagartig, im wahrsten Sinne des Wortes, Schluss mit lustig. Der Aschermittwoch hatte angefangen. Vorher darf das Leben sich noch austoben. Doch dann ist plötzlich alles anders.

Zwischen Fastnacht und Fastenzeit liegt ein Abbruch. Etwas wird angehalten. Als jemand, der Karneval gefeiert und dann an Aschermittwoch das Aschenkreuz empfangen hat, habe ich diesen Abbruch erst vor wenigen Tagen wieder erlebt. Und gemerkt: ein bisschen Fastnacht in die Fastenzeit mitzunehmen, geht einfach nicht. Und umgekehrt ist Fastnacht wahrlich nicht der Ort, um schon ans Fasten zu denken.

Es ist einen Gedanken wert, dass es mitten im Kirchenjahr einen solchen markanten Punkt gibt: einen Punkt, der mitvollziehen lässt, dass etwas manchmal einfach aufhört. Wahrscheinlich müssen alle Menschen in ihrem Leben solche Erfahrungen machen: Der Job geht verloren. Ein geliebter Mensch stirbt. Und von jetzt auf gleich ist nichts mehr so, wie es war.

Es gibt auch kleinere "Abbrüche", die nicht persönlich und daher nicht ganz so dramatisch sind. Zum Beispiel in den Pastoralen Räumen im Erzbistum Paderborn: Menschen müssen erleben, dass liebgewonnene Traditionen nicht aufrechterhalten werden können. In das leerstehende Pfarrhaus zieht kein Priester mehr ein. Gruppen lösen sich auf, weil der Nachwuchs fehlt. Gottesdienste werden gestrichen.

Das Kirchenjahr sagt mir gerade in diesen Tagen: Abbrüche gehören dazu, in der persönlichen Geschichte und in der Geschichte von Kirche und Welt. Sie sind kein Versagen, sondern menschlich und gehören "zum Leben". Ich muss auch nicht immer gleich "nach vorne" blicken, sondern darf mir Zeit lassen mit der Erfahrung, dass es auch nach dem Abbruch weitergeht.

Dr. Claudia Nieser

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