Detail - Zukunftsblick

Eine "Spiegelaffäre" in Bielefeld

08. Dezember 2017

(v.l.) Johannes Schulte, Pfarrer Norbert Nacke und Pastor Herbert Bittis im Spiegel des "guten Hirten".

16 lebensgroße Spiegelfiguren lassen die Besucher der St. Jodokus-Kirche in der Innenstadt von Bielefeld derzeit aufmerksam werden. Bei den Figuren handelt es sich um Krippenfiguren, die während der Adventszeit an unterschiedlichen Standorten in der Kirche zum Verweilen, Nachdenken und Reflektieren einladen.

16 lebensgroße Spiegelfiguren lassen die Besucher der St. Jodokus-Kirche in der Innenstadt von Bielefeld derzeit aufmerksam werden. Bei den Figuren handelt es sich um Krippenfiguren, die während der Adventszeit an unterschiedlichen Standorten in der Kirche zum Verweilen, Nachdenken und Reflektieren einladen. „Spiegelaffären“ – die katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Bielefeld sieht Anknüpfungspunkte zu ihren Aufgaben und hat bewusst dieses Motto für die Installation ausgewählt. 

Im vergangenen Jahr entwickelte ein Team der Gemeinde St. Katharina in Unna um Dekanatsreferent Ludger Büngener diese Art der Krippendarstellung, die mit Mitteln des Erzbistums Paderborn für „neue Projekte zur Umsetzung des Zukunftsbildes“ gefördert wurde. Der Gedanke, sich als Betrachter in den Spiegelfiguren selbst zu entdecken und wiederzuerkennen, steckte hinter der Idee.

Johannes Schulte von der katholischen Ehe- Familien- und Lebensberatung in Bielefeld sprach dieses Projekt sofort an und er entwickelte mit Pfarrer Norbert Nacke, Pastor Herbert Bittis und Pastor Lars Hofnagel aus dem Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Nord-West den Gedanken weiter. Eine Kooperation zwischen der Eheberatungsstelle und der Pastoral lief schon Anfang des Jahres an und es entwickelte sich die „Spiegelaffäre“, die nun in der Adventszeit noch mehr in den Fokus rückt.

„Die Spiegelfiguren sind bereits im Laufe des Jahres an unterschiedlichen Orten des Lebens in Bielefeld aufgetaucht“, berichtet Johannes Schulte: „Die Spiegel begleiten uns das ganze Jahr und erzählen dann jeweils ganz andere Geschichten.“ Bei Gebetsstunden, Familiengottesdiensten, Hochzeiten, in privaten Räumen und sogar in der Straßenbahn hatten einzelne Spiegelfiguren schon eine Bedeutung.„Die Figur des Lichtträgers weilte ein paar Tage bei einem Erkrankten, verbunden mit Gottes-Zusage, dass es Licht wird und es dem Kranken wieder gut geht.“

Vor seiner Tätigkeit bei der Ehe-, Familien- und Lebensberatung war Johannes Schulte Gemeindereferent und hat einen Bezug zur Pastoral bewahrt. Wenngleich in der Eheberatung Affären immer wieder Thema seien, so werde der Begriff doch bei den Spiegelaffären eher in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes verwendet: Affäre – die Angelegenheit. „Ich schaue in den Spiegel und sehe mich selbst. Ich habe sofort mit dem zu tun, den ich sehe – mit mir selbst.“

Neben der Selbstbetrachtung im Spiegel in unterschiedlichen Figuren - vom Hirten bis zum König, vom Widder zum Kamel und nicht zuletzt auch Maria und Josef -  verschafft der Blick in den Spiegel auch völlig neue Ein-Blicke in den Kirchenraum. Je nach Konstellation lassen sich auch gleich mehrere Spiegelfiguren miteinander optisch verbinden.

Was geschieht mit mir, wenn ich selbst in die Rolle einer Figur schlüpfe? Diese Frage begleitet die Spiegelinstallation. „Was denkt Josef, wenn Maria ihm erklärt, schwanger zu sein? Was hat die Eltern von Johannes dem Täufer umgetrieben“, stellt Johannes Schulte beispielhaft Fragen. Die Figur „Johannes der Täufer“ wurde zusätzlich aufgenommen. Dieser Johannes wäre sicher nicht in die Ehe- und Familienberatung gekommen, wohl eher seine Eltern. Was gehe in Eltern eines solchen Kindes vor, der radikale Ansichten hatte, der Aufsehen erregt, der letztlich enthauptet wird?

Damit zeigt Johannes Schulte, wie nahe die Ausstellung an der Arbeit seiner Beratungsstelle liegt. Es gehe um Typen, die auch zur Beratungsstunden anklopfen könnten. Zugleich sollen die Spiegelaffären in der Vielschichtigkeit anregen, verändern, beruhigen oder auch offen legen. „Die Spiegelaffären möchten auf jeden Fall den Horizont erweitern.“

„Für solche Projekte bin ich immer offen“, freut sich Pfarrer Norbert Nacke, der die „Spiegelaffäre“ sehr passend für die Adventszeit sieht und hofft, dass Weihnachten aus anderen Perspektiven erlebt werden kann. Für Pastor Herbert Bittis ist es wie „anders fernsehen“. Das Vertraute könne aus anderen Perspektiven gesehen werden. „Zudem freue ich mich, dass zwei Träger – Pfarrgemeinde und Familienberatung – hier sehr gut zusammenarbeiten.“

In der Festmesse zum Patronatsfest von St. Jodokus am 13. Dezember (18.30 Uhr) werden die Spiegelfiguren auch eine besondere Rolle spielen, wenn Pfarrer Norbert Nacke eine Dialogpredigt hält. Pastor Herbert Bittis nutzt die „Spiegelaffären“ für den Buß- und Versöhnungsgottesdienst am 19. Dezember (18.30 Uhr). Zudem wird die Krippe an allen vier Adventssonntagen ein Teil der Messfeier um 11.30 Uhr sein.


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