Detail - Zukunftsblick

Neues Gesetz zu Wort-Gottes-Feiern

22. November 2017

Zum 1. Advent erleichtert es das Erzbistum Paderborn den Gemeinden, Wort-Gottes-Feiern am Sonntag einzuführen.

Zum 1. Advent erleichtert es das Erzbistum Paderborn den Gemeinden, Wort-Gottes-Feiern am Sonntag einzuführen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es dann zudem möglich, in diesen Gottesdiensten die Kommunion auszuteilen. Neu ist auch, dass die Entscheidung über die Einführung künftig beim zuständigen Pfarrer liegen soll. Ein entsprechendes Dekret von Erzbischof Hans-Josef Becker wurde jetzt im Amtsblatt veröffentlicht. Im Pastoralen Raum Warburg hat es seit gut einem Jahr ein Modellprojekt gegeben, das Grundlage für die Neuregelung ist. Ein Text von Matthias Nückel.

[Hier geht es zum Dossier mit Informationen zum neuen Diözesangesetz sowie zu den Erfahrungen im Pastoralen Raum Warburg.]

Sonntagmorgen, 9.15 Uhr: In der Pfarrkirche St. Marien in Warburg-Altstadt feiert die Gemeinde das Hochamt. Die Gläubigen beten und singen. Nach den Fürbitten wird der Altartisch für die Eucharistiefeier bereitet.

Am gleichen Sonntag, 9.45 Uhr: In dem zum Pastoralen Raum Warburg gehörenden Dorf Hohenwepel hat sich die Gemeinde in der Kirche St. Margaretha zur Wort-Gottes-Feier versammelt. Auch hier wird nach den Fürbitten der Altar bereitet. Gabenbereitung und Wandlung allerdings wird es nicht geben. Auf die Kommunion müssen die Gläubigen in St. Margaretha dennoch nicht verzichten. Ein Kommunionhelfer aus Hohenwepel hat an der Eucharistiefeier in St. Marien teilgenommen. Er wird mit konsekrierten Hostien von Ministranten aus der Kirche geleitet und fährt nun zur Wort-Gottes-Feier nach Hohenwepel. Nach seiner Ankunft wird er zum Altar geleitet.

"Wir wollen mit dieser Form etwas ganz Wichtiges zum Ausdruck bringen", erläutert Pfarrer Gerhard Pieper, Leiter des Pastoralen Raumes Warburg. "Die Kommunion ist ja Teil der Eucharistiefeier und ist ohne das Hochgebet mit der Wandlung von Brot und Wein nicht denkbar. Wir verlängern, bildlich gesprochen, die Kommunionbank von Warburg nach Hohenwepel. Die Gemeinde, die dort zur Wort-Gottes-Feier versammelt ist, ist durch das Überbringen des eucharistischen Brotes mit der Messe feiernden Nachbargemeinde in besonderer Weise verbunden. Die Bezogenheit der Kommunion auf die Eucharistie als Ganzes wird anschaulich erfahrbar."

Vorbild auf den Philippinen

Die Anfänge des "Warburger Modells" reichen bis in den Herbst 2013 zurück. Damals gab es eine vom Erzbistum organisierte Studienfahrt auf die Philippinen. "Dort haben wir erlebt, wie eine Pfarrei mit 50000 Gläubigen sich neu organisiert hat", so Pieper. In den Dörfern gab es "Kapellen", die teilweise nur aus einem Dach bestanden. Dort wurde mithilfe eines Beamers erzählt, was der Priester in der Pfarrkirche gepredigt hatte. Kommunionhelfer brachten die Hostien aus der Pfarrkirche. "So haben die Menschen die Verbundenheit der Pfarrei erlebt", berichtet Pieper, der auch Dechant des Dekanates Höxter ist.

In seiner Heimat Warburg stellte sich zur gleichen Zeit die Frage, wie die Gottesdienste neu organisiert werden könnten. Denn für 15 Kirchengemeinden gibt es nur noch drei Priester im aktiven Dienst, drei Gemeindereferentinnen und drei pensionierte Priester. Man kam zu dem Schluss: "Nur alle vier Wochen eine Eucharistiefeier in jeder Gemeinde, das macht uns als Gemeinde kaputt." Deshalb haben die Verantwortlichen im Pastoralen Raum Warburg überlegt, ob der Weg, den die Gemeinde auf den Philippinen gegangen ist, nicht auch eine Möglichkeit für die ostwestfälische Gemeinde sein könne. Schon im Februar 2016 erteilte Erzbischof Hans-Josef Becker den Auftrag zum Modellprojekt "Wort-Gottes-Feiern am Sonntag mit Kommunionspendung" im Pastoralen Raum Warburg. Am 8. Mai des gleichen Jahres startete das Projekt.

Jedes Dorf kann sich frei entscheiden

Seitdem gibt es eine verlässliche Gottesdienstordnung. Alle vier Wochen wird in den beteiligten Gemeinden eine heilige Messe gefeiert. Zusätzlich gibt es einmal im Monat eine Wort-Gottes-Feier mit Kommunionausteilung. 20 Leiterinnen und Leiter für Wort-Gottes-Feiern wurden dafür zwischen Januar und April 2016 ausgebildet.

Zurzeit beteiligen sich im Pastoralen Raum Warburg sechs Gemeinden an dem Modellprojekt. Einen Zwang gibt es nicht. "Die Menschen sind eingeladen, mitzumachen. Jedes Dorf kann sich frei entscheiden", erklärt Pfarrer Pieper. Die Mehrheit habe sich für das Modellprojekt entschieden. Die übrigen waren nicht dagegen, sahen sich aber außerstande, es auch im eigenen Dorf umzusetzen. "Durch die neue Gottesdienstordnung haben wir zudem die Freiräume, dass zu besonderen Anlässen auf den Dörfern - wie etwa beim Schützenfest - eine heilige Messe gefeiert werden kann", sagt der Dechant.

Der Glaube ist gewachsen

Eine erste Auswertung des Modellprojektes im Frühjahr dieses Jahres brachte differenzierte Ergebnisse. So sagten etwa drei Viertel der befragten Akteure und Hauptamtlichen, dass es gelingt, die Messfeier und die Wort-Gottes-Feier im Pastoralen Raum in enger liturgischer Beziehung zueinander am Sonntag zu feiern.

Vor allem die Leiterinnen und Leiter der Wort-Gottes-Feiern betonten, dass sie sich im Glauben gestärkt fühlen und ihr Glaube gewachsen sei. Als Gründe nannten sie vor allem die Ausbildung, die intensive persönliche Vorbereitung und die Auseinandersetzung mit den Schrifttexten sowie den Austausch mit anderen.

Die Teilnehmer der Wort-Gottes-Feiern sagten überwiegend, dass ihnen die Gestaltung der Gottesdienste eine intensive Begegnung mit Jesus Christus ermöglicht. Befragt wurden die Christen auch, warum sie zur Eucharistiefeier oder zur Wort-Gottes-Feier gehen. Dabei gab es viele Übereinstimmungen. An erster Stelle bei beiden Gruppen steht: "Zeit für Gott haben". An zweiter Stelle steht bei den Teilnehmern der Eucharistiefeier "weil es eine Messe ist", während für die Teilnehmer der Wort-Gottes-Feier der zweitwichtigste Grund zum Kirchgang "es ist mein Dorf" ist. "Gemeinschaft" und "Stärkung erfahren" folgen bei beiden Gruppen fast gleichauf. Es zeigt sich aber auch, dass zu den Wort-Gottes-Feiern deutlich weniger Menschen kommen als zu den heiligen Messen.

Auch wenn die erste Auswertung in vielen Punkten noch keine verbindlichen Aussagen treffen kann, so wurden doch einige positive Aspekte in den Gemeinden wahrgenommen. Dazu zählt etwa die "Verstärkung des Wir-Gefühls", "mehr Interesse untereinander und Verantwortung füreinander", "mehr ehrenamtliches Engagement und ehrenamtliche Verantwortung" oder auch "nicht nur ,Sterben' und ,Aufgeben', sondern auch ,Aufbruch' und ,Wachstum'". Neben deutlicher Zustimmung gab es aber immer wieder auch Fragen oder Unverständnis der Gemeindemitglieder, warum die Hostien nicht aus dem eigenen Tabernakel genommen werden.

Insgesamt jedoch kam die Auswertung zu dem Schluss, dass das Projekt "auf einem guten Weg ist", was nun auch zur Neuregelung im gesamten Erzbistum geführt hat.

Zeit der Erwartung ist Lehrzeit

Ein Argument gegen diese Verbindung von Eucharistiefeier und Wort-Gottes-Feiern lässt Pfarrer Gerhard Pieper nicht gelten - nämlich das des organisatorischen Aufwandes. "Man muss es nur wollen", betont er. Wenn es - zum Beispiel wetterbedingt - einmal länger dauere, bis der Kommunionhelfer eintrifft, dann sei für die Gemeinde die Zeit der Erwartung halt länger als sonst. "Man kann es auch Advent nennen", sagt Pieper und er fügt hinzu: "Diese Zeit der Erwartung ist keine Leerzeit, sondern eine Lehrzeit. Sie lehrt uns, dass wir Jesus brauchen."

Auch muss nach Piepers Worten nicht immer alles glatt ablaufen, nach dem Motto: "Das haben wir doch toll hingekriegt." Denn: "Nicht wir Menschen machen etwas, sondern Gott macht etwas mit uns!" Es gehe darum, "aus Christus zu leben und nicht aus uns selbst".

Diözesangesetz, Materialien zu dem im Pastoralen Raum Warburg erprobten Modell, Bilder und Videos stehen in einem Dossier auf der Internetseite des Zukunftsbildes zur Verfügung.

Weitere ausführliche Berichte zum Thema in der aktuellen Ausgabe der Bistumszeitung Der DOM.


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