Detail - Zukunftsblick

Was heißt "Liturgische Vielfalt in Zeiten der Veränderung" konkret?

27. März 2017

(v.l.) Eva Bux, Markus Ellermann und Annermarie Dahlmann aus Dortmund brachten eine langjährige Erfahrung mit der Gestaltung und Leitung von Wortgottesfeiern mit.

Rita Rasche aus Marsberg-Meerhof ist es ein Anliegen, ihre persönliche Liebe zur Heiligen Schrift in Gottesdienste einzubringen.

Wie verkündige ich in der heutigen Zeit das Evangelium? Und warum wird das persönliche, freie Gebet so selten gepflegt? Solche Fragen beschäftigen Feride Jäger aus Hamm.

Drei Teilnehmerinnen am Studientag "Gottesdienst ist nicht alles, aber ohne Gottesdienst ist alles nichts" berichten von ihren Erfahrungen.

Was heißt "Liturgische Vielfalt in Zeiten der Veränderung" konkret? Drei Teilnehmerinnen am Studientag "Gottesdienst ist nicht alles, aber ohne Gottesdienst ist alles nichts" berichten von ihren Erfahrungen.

Eva Bux, Annemarie Dahlmann und Markus Ellermann aus der Pfarrei Heilige Dreikönige in der Dortmunder Nordstadt können schon auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken. Bereits in den 90er Jahren habe der damalige Pfarrer der Pfarrei St. Antonius Karlheinz Vogler Laien dazu ermutigt, Wortgottesfeiern zu gestalten. "Er hat uns Verantwortung übertragen und unser Engagement wertgeschätzt", erinnerte sich Eva Bux. "Aufgrund der langen Tradition, der sich abzeichnenden Notwendigkeit und der guten Unterstützung durch den jetzigen Pfarrer Ansgar Schocke und seinem Team gibt es in der heutigen Großpfarrei in der Dortmunder Nordstadt mit insgesamt sechs Kirchen eine wachsende Akzeptanz, wenn Laien Wortgottesfeiern leiten."

Jeden Donnerstag bieten Ehrenamtliche in St. Antonius im Wechsel verschiedene Angebote an. Sie reichen von formfreien "Feierabend-Gottesdiensten" über Andachten bis zur monatlichen Wort-Gottes-Feier. Andere Angebote würden dagegen mit dem Liturgiekreis des Pastoralen Raums abgestimmt, zum Beispiel ein großer Kreuzweg am 31. März, der durch die Straßen führen wird. "Wir müssen nach draußen und Präsenz zeigen", so Eva Bux mit Blick auf die Tatsache, dass dies in der Dortmunder Nordstadt durchaus Mut erfordert.

Eva Bux machte keinen Hehl daraus, dass für ihr Engagement manchmal viel Idealismus notwendig ist. "Wenn man einen Gottesdienst liebevoll vorbereitet und dann vier Leute kommen, ist das schon frustrierend", sagte sie. Der Studientag war für sie deshalb auch eine Möglichkeit aufzutanken: "Wir wollen Mut schöpfen, hoffen auf die ein oder andere Idee, damit wir neue Dinge ausprobieren können, die für die Leute bei uns interessant sein könnten", sagte sie. Sie vergaß auch nicht die schönen Seiten ihres Engagements, an die sie sich gerne zurück erinnerte. Ein Höhepunkt ereignete sich zum Beispiel 2013, als sie voller Begeisterung aus Assisi zurückgekehrt war. In einem Gottesdienst äußerte sie den Wunsch: Der nächste Papst müsste ein Franziskus sein. Wenige Tage später grüßte tatsächlich der erste Papst mit dem Namen Franziskus die Menschen auf dem Petersplatz...

Mit viel Idealismus leitet auch Rita Rasche aus Marsberg-Meerhof seit vielen Jahren Wortgottesfeiern. Die anfängliche Skepsis der Gemeindemitglieder vor Ort sei inzwischen einer großer Akzeptanz gewichen, erzählt sie: "Gute Erfahrungen habe ich damit gemacht, dass ich vor Beginn der ersten Wortgottesfeier in Zivil vor die Gottesdienstbesucher getreten bin und ihnen erklärte, wozu ich die Beauftragung des Erzbischofs erhalten habe und warum ich ein liturgisches Gewand trage." Es sei wichtig, die Gemeindemitglieder mit auf den Weg der neuen Gottesdienstformen zu nehmen und ihnen dabei verständlich zu machen, dass es nicht darum geht, die Eucharistiefeier zu ersetzen, so Rita Rasche. "In der heutigen Zeit bei wachsendem Priestermangel ist es aber umso wichtiger, dass sich die Gemeindemitglieder zum Hören auf Gottes Wort und zum Gebet versammeln, auch wenn kein Priester da ist. Nur so kann das Gebetsleben in der Gemeinde lebendig bleiben."

Neben Wortgottesfeiern leitet Rita Rasche auch Totengebete. Bei beiden Formen sei es für sie wichtig, etwas Persönliches hineinzugeben und so Nähe zu den Menschen zu schaffen. Gerade bei Totengebeten lege sie Wert darauf, nicht nur fertige Texte herunterzubeten. "Gute Erfahrungen haben wir mit einem Lichtergang gemacht", erzählte sie. Dazu stünden die Gottesdienstteilnehmer aus den Bänken auf, nähmen ihre Kerze in die Hände und entzündeten diese an einem vorbereiteten Ort. Dabei hätten die Gottesdienstbesucher die Gelegenheit, im Zeichen der Kerze für das zu danken, was der Verstorbene ihnen gegeben habe oder in Stille ein Gebet für ihn zu sprechen. "Außerdem versuche ich, meine persönliche Liebe zur Heiligen Schrift in die Gottesdienste einzubringen."

Bei den Gottesdienstbesuchern spüre sie viel Dankbarkeit für die persönliche Ansprache. Gerne erinnerte sie sich an den Familiengottesdienst am Muttertag, bei der jede Mutter die Möglichkeit zur persönlichen Segnung gehabt und eine Rose geschenkt bekommen habe. "Die Schlangen bei der Segnung rissen gar nicht ab", beschrieb sie die große Resonanz. "Besonders freut es mich, dass sich auch ältere Menschen auf solche neuen Angebote einlassen."

Das nächste neue Angebot gibt es in Meerhof ab Mai 2017. "Dann eröffnet im ehemaligen Pfarrgarten die "Oase Schalom" als neuer Ort für besondere Gottesdienste im Freien oder in der geplanten Zeltkirche", so Rita Rasche. In dieser Zeltkirche werde es auch ein offenes, festes Angebot der Trauerbegleitung in den Monaten Mai bis September für alle Besucher des naheliegenden Friedhofes oder der Kirchenoase geben. Außerdem soll dort ein Vater-Unser-Gebetsweg entstehen, an denen die Besucher ihren eigenen Gebetsstein niederlegen und neue Gebetserfahrungen machen können. Auch für Jugendliche seien besondere Angebote geplant.

Feride Jäger aus der Pfarrei St. Franziskus von Assisi in Hamm ist Lektorin und Katechetin und arbeitet zugleich im Team für das Handlungsfeld "Evangelisierung - Lernen, aus der Taufberufung zu leben" mit. "Gerade beschäftigen wir uns mit der Feier und Formen der Eucharistie und der Sakramente", erzählte sie. "Dabei stellen wir uns die Frage, wie man in einer hierarchischen, universalen Kirche das Evangelium zeitgemäß verkünden kann."

Impulse dafür habe sie sich zuletzt auf einer Fortbildung in Münster geholt, bei der es um Gottesdienstgestaltung für Kinder gegangen sei. Dort habe sie erfahren, dass man Gottesdienste dialogisch verstehen müsse: als Dialog zwischen Gott, jedem einzelnen Menschen und der Gemeinde. Ähnliche Impulse erhoffte sie sich von dem Studientag in Paderborn: "Wie verkündige ich in der heutigen Zeit das Evangelium? Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es im Rahmen einer Eucharistiefeier? Dabei geht es mir nicht darum, dass aus einer Eucharistiefeier ein Event wird. Vielmehr glaube ich, dass es Spielräume gibt, Gottesdienst zu einer Feier des Glaubens zu machen"

Ein weiteres Anliegen, mit dem sie nach Paderborn gekommen sei: das Thema "freies Gebet". "Ich schätze die Grundgebete der Kirche", sagte sie. "Aber das persönliche Gebet aus dem Herzen wird oft nicht mehr gepflegt. Und das ist schade! Ich würde gerne herausfinden, warum das so ist. Dabei zählt für mich zum freien Gebet nicht nur, zu Gott zu sprechen. Es geht auch um das Hören. Es geht darum, Gott zur Sprache kommen zu lassen."


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