Detail - Zukunftsblick

Studientag „Liturgische Vielfalt in Zeiten der Veränderung“

27. März 2017

100 Frauen und Männer, zumeist Ehrenamtliche, folgten der Einladung an die Theologische Fakultät Paderborn.

Dr. Annegret Meyer (links) führte durch das Programm des Studientages, Professor Dr. Stefan Kopp von der Theologischen Fakultät Paderborn (rechts) hielt den einführenden Vortrag.

Zu der Veranstaltung "auf dem Weg zum Diözesanen Forum", kamen 100 Frauen und Männer an die Theologische Fakultät Paderborn

Alle liturgisch Engagierten und Interessierten luden Erzbistum und Theologische Fakultät Paderborn am vergangenen Samstag zu einem Studientag ein. "Gottesdienst ist nicht alles, aber ohne Gottesdienst ist alles nichts. Liturgische Vielfalt in Zeiten der Veränderung" lautete der Titel. Über 100 zumeist ehrenamtliche Frauen und Männer folgten der Einladung, lauschten einem Vortrag des Liturgiewissenschaftlers Professor Dr. Stefan Kopp von der Theologischen Fakultät und besuchten Workshops. Wer den Teilnehmern zuhörte, merkte schnell, in welch vielfältiger Weise sie sich engagieren: Neben dem Dienst des Lektors oder der Kommunionhelferin erfüllen viele inzwischen auch den Dienst des Leiters von Wortgottesfeiern.

Professor Dr. Stefan Kopp vom Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät Paderborn machte in seinem Vortrag zunächst deutlich, dass Kirche Gottesdienst feiere, weil sie aus dem Befund des Neuen Testamentes heraus den Auftrag dazu habe. "Kirche-Sein kann überhaupt nur dort gelingen, wo es Orte gibt, an denen auf das Wort Gottes gehört, Eucharistie gefeiert, getauft und gebetet wird", spitzte er vor diesem Hintergrund zu. Das Zweite Vatikanische Konzil habe außerdem unterstrichen, dass alle Gläubigen zur tätigen Teilnahme an der Feier der Liturgie berufen seien. "Das Konzil wollte, dass die Menschen beim Gottesdienst nicht nur außenstehende Zuschauer und passive Empfänger, sondern aktive Mitglieder sind", so Professor Kopp. Diese Worte des Konzils seien für die Kirche ein bleibender Auftrag und bei allen kirchlichen Neuorganisationen der Gegenwart zu berücksichtigen: "Große Pastorale Räume werden nur dann zu einer wirklichen ekklesiologischen Größe, wenn dies in der Liturgie erfahrbar wird."

Der Professor für Liturgiewissenschaft hielt fest, dass die Feier der Eucharistie für das Zweite Vatikanische Konzil Mitte und Höhepunkt des christlichen Lebens sei. "Allerdings braucht ein Zentrum auch Umfelder, um als Zentrum wahrgenommen und geschätzt zu werden, und ein Höhepunkt lebt davon, dass die Mühe des Anstiegs auf sich genommen wird." Mit "Umfeldern" bezeichnete er die Vielfalt anderer Gottesdienstformen wie zum Beispiel das Stundengebet. Diese Formen könnten dabei helfen, "dass Gläubige vom Pascha-Mysterium, dem Geheimnis von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu, geprägt werden". Durch die regelmäßige Feier eines Mittagsgebetes oder der Vesper könne die Kirche im Ort auch dann "die spirituelle Keimzelle gemeindlichen Lebens" bleiben, wenn dort nicht regelmäßig Eucharistie gefeiert werde.

Mit Blick auf Wortgottesfeiern kritisierte Professor Kopp, dass es nicht gelungen sei, ihnen einen eigenen Ort in der Liturgie der Kirche zu geben. "Wortgottesfeiern wurden ausschließlich unter dem Vorzeichen des Mangels eingeführt", stellte er fest. "Diese Wertung gilt es heute zu vermeiden." Stattdessen müsse gefragt werden, was der Eigenwert dieser Gottesdienstform sei, nur dann könne man Wortgottesfeiern als eigenständige Form etablieren. Als Möglichkeiten für Wortgottesfeiern schlug er besondere Predigtreihen, Früh- und Spätschichten, Gottesdienste zur Vorbereitung auf Erstkommunion oder Firmung sowie Schulgottesdienste vor.

Kopp warb dafür, die Menschen in den Gemeinden bei der Entdeckung ihres liturgischen Charismas zu unterstützen. Er schlug liturgische Kompetenzzentren vor Ort vor, in denen Menschen ausgebildet und liturgisch Verantwortliche unterstützt werden könnten.

Am Nachmittag hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Auswahl zwischen vier verschiedenen Workshops zu den Themen "Totengebet", "Geistliche Impulse", "Krankenkommunion" und "Tagzeitenliturgie". Der Studientag endete mit einer gemeinsamen Vesper in der Universitäts- und Marktkirche.

Der Studientag "Gottesdienst ist nicht alles, aber ohne Gottesdienst ist alles nichts. Liturgische Vielfalt in Zeiten der Veränderung" war eine Veranstaltung auf dem Weg zum Diözesanen Forum am 29. und 30. September 2017. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltungsreihe, mit der das Erzbistum alle Interessierten einlädt, wichtige Themen für die Entwicklung des Erzbistums kennenzulernen, darüber zu diskutieren und voranzubringen. Da am Diözesanen Forum selbst nur eine begrenzte Anzahl von Menschen teilnehmen kann, werden auch außerhalb des Forums wichtige Themen bewegt, die bei der weiteren Entwicklung des Erzbistums von Bedeutung sind. Das sind teilweise auch Themen, die im Zukunftsbild nur angedeutet sind oder beiläufig erwähnt werden. Der Studientag zum Thema Liturgie war eine Kooperation von Erzbischöflichem Generalvikariat Paderborn, der Kommission für Liturgie im Erzbistum Paderborn und Theologischer Fakultät Paderborn.


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