Detail - Zukunftsblick

Studientag zu Modellprojekten

30. Juni 2016

v.l. Ludger Drebber, Miriam Zimmer (ZAP), Prof. Dr. Matthias Sellmann (ZAP), Julia Fisching-Wirth, Katharina Speckenheuer (ZAP), Monsignore Dr. Michael Bredeck.

42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den unterschiedlichen Feldern der Pastoral im Erzbistum waren zu dem Studientag gekommen.

Ludger Drebber (links) und Julia Fisching-Wirth (rechts) führten durch den Tag.

42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den unterschiedlichen Feldern der Pastoral im Erzbistum Paderborn haben im Rahmen eines Studientages erste Erkenntnisse der beiden Modellprojekte diskutiert, die das Erzbistum in Zusammenarbeit mit dem "Zentrum für angewandte Pastoralforschung" in Bochum (ZAP) durchführt.

42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den unterschiedlichen Feldern der Pastoral im Erzbistum Paderborn haben im Rahmen eines Studientages erste Erkenntnisse der beiden Modellprojekte diskutiert, die das Erzbistum in Zusammenarbeit mit dem "Zentrum für angewandte Pastoralforschung" in Bochum (ZAP) durchführt. Seit einigen Wochen liegen für beide Projekte Zwischenberichte vor (Zusammenfassung hier abrufbar), die Grundlage für den Studientag waren. Zu den Teilnehmern zählten Professor Dr. Matthias Sellmann, Leiter des ZAP, sowie seine Mitarbeiterinnen Kathrin Speckenheuer und Miriam Zimmer, die die beiden Projekte wissenschaftlich betreuen.

Die Modellprojekte lauten "Taufberufung als Referenzgröße zukunftsweisender Bistumsentwicklung" und "Pastoraler Raum als Netzwerk - Netzwerkmoderation im Pastoralen Raum".

Dass beide Themen einen inhaltlichen Zusammenhang haben, wurde zu Beginn der Veranstaltung deutlich. Ludger Drebber aus der Hauptabteilung Pastorale Dienste, der zusammen mit Julia Fisching-Wirth durch die Veranstaltung führte, beschrieb das Modellprojekt "Berufung" als "Mikrothema, das den Blick auf den einzelnen Menschen lenke". Das Modellprojekt "Netzwerk" blicke dagegen auf den Pastoralen Raum und stelle die Frage, wie dieser sich verändere, sobald man die Berufung des Einzelnen ernst nehme.

Auch Professor Dr. Matthias Sellmann zeigte einen inneren Zusammenhang der beiden Themen auf. Das Erzbistum Paderborn habe die sehr mutige Frage gestellt "Wozu bist du da, Kirche von Paderborn?". Nun deute sich an, dass beide Modellprojekte einen Beitrag zur Beantwortung dieser Frage leisten könnten. Erkenntnisse des Projektes "Taufberufung" legten der Kirche nahe, Menschen dabei zu unterstützen, ihre Biografie und Lebenserfahrungen zu deuten. Nach Erkenntnissen des Modellprojektes "Netzwerk" könne die Rolle der Kirche darin bestehen, mit Hilfe ihrer Mittel die Humanität in der Zivilgesellschaft zu verbessern. Die Frage "Wozu bist du da?" habe schon viel Bewegung ausgelöst, so Sellmann weiter. Ziel der Antwortsuche müsse es sein, Begeisterung und Stolz zu wecken, bei dieser Bewegung dabei zu sein.

Katharina Speckenheuer beschrieb bei der Vorstellung ihres Zwischenberichts auch Schwierigkeiten, die mit dem Begriff "Taufberufung" verbunden seien. (ausführliche Zusammenfassung des Zwischenberichtes hier abrufbar) Für das Projekt seien Interviews mit ehrenamtlich engagierten Menschen geführt worden. Dabei habe man festgestellt, dass für sie der Begriff "Berufung" nicht passend erscheine und auch nicht verwendet werde, um das eigene Engagement zu deuten. Außerdem habe die Studie deutlich gemacht, dass gerade religiös sozialisierte Menschen keine geeigneten Ausdrucksmittel zur Verfügung hätten, um ihre Erfahrungen zu beschreiben.

Gleichwohl hätten die Gesprächspartner die Möglichkeit, das eigene Engagement mit Hilfe des Interviews zu deuten, dankbar und gerne angenommen, so Katharina Speckenheuer. Vor diesem Hintergrund könne Kirche eine wichtige Rolle als kompetente Gesprächspartnerin bei der Deutung von Biografien und Lebenserfahrungen spielen, neue Deutungsmöglichkeiten ins Spiel bringen und eine bessere Engagementskultur fördern.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Studientages diskutierten im Anschluss mögliche Folgen aus den Erkenntnissen der Studie. Auf Resonanz stieß die Vorstellung von Kirche als "Expertin für Biografiearbeit". Überlegt wurde, wie "Dialogräume" bzw. "Erzählorte" entstehen könnten, an denen man Gesprächspartner für Menschen sein und mit ihnen Lebenserfahrungen deuten könne. Entscheidend dabei sei es, Deutungen statt fertiger Antworten anzubieten.

Im zweiten Teil der Tagung stellte Miriam Zimmer die Ergebnisse des Zwischenberichtes "Pastoraler Raum als Netzwerk" vor. (ausführliche Zusammenfassung hier abrufbar) Dazu hatte sie im Pastoralen Raum St. Johannes Baptist Neheim und Voßwinkel beispielhaft ein dort vorhandenes Netzwerk zur Arbeit mit kranken Menschen erforscht und zahlreiche Interviews mit Engagierten geführt. Daran wurde deutlich, dass Netzwerke schon vor der eigentlichen "Netzwerkarbeit" bestehen, dass sich die Teilnehmer allerdings nicht bewusst seien, in einem Netzwerk zu sein. Netzwerkarbeit beginne dann, wenn ein Ziel für die eigene Arbeit vorhanden sei, das durch Kooperationen mit anderen Partnern größere Erfolgsaussichten habe. Im Falle der Sorge um kranke Menschen sei dieses Ziel eine umfassendere Betreuung und Versorgung Kranker gewesen.

Kooperationen kämen dann zustande und hätten Aussichten auf dauerhaften Bestand, wenn die Partner einen Nutzen in einer Zusammenarbeit sähen, so Miriam Zimmer weiter. Sie machte außerdem deutlich, dass es in einem Netzwerk keine "Leitung", sondern nur gleichwertige Partner gebe, was bei vielen Beteiligten ein Umdenken notwendig mache.

In einem anschließenden Gespräch tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darüber aus, wie Netzwerke ohne "Leitung" funktionieren können. Sie hielten außerdem fest, dass es in einem Pastoralen Raum viele Netzwerke geben könne und "Netzwerkarbeit" daher mehr sei, als die verschiedenen Pfarreien und pastoralen Orte miteinander in Kontakt zu bringen.


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