Detail - Zukunftsblick

Die positive Energie von Protesten

21. Juni 2016

Dr. Felix Butzlaff (links) und Sören Messinger-Zimmer (rechts) stellten ihre Forschungen zu den neuen Protestbewegungen vor.

Der Diözesanpastoralrat beriet auf seiner zweitägigen Sitzung über Bürgerproteste und die zunehmende Intensität von Konflikten.

Der Diözesanpastoralrat im Erzbistum Paderborn setzte sich am vergangenen Wochenende mit Bürgerprotesten und der zunehmenden Intensität von Konflikten auch in der Kirche auseinander. Damit stand auf der zweitägigen Sitzung ein Thema auf dem Programm, das im Kontext des Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn große Bedeutung hat.

Mit Bürgerprotesten und der zunehmenden Intensität von Konflikten auch in der Kirche setzte sich der Diözesanpastoralrat im Erzbistum Paderborn am vergangenen Wochenende auseinander. Damit stand auf der zweitägigen Sitzung ein Thema auf dem Programm, das im Kontext des Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn große Bedeutung hat. Die Frauen und Männer des Beratungsgremiums stellten sich unter anderem die Frage, welche Motivation hinter Protesten steckt und wie sich eine Eskalation von Konflikten verhindern lässt.

Als Referenten waren Dr. Felix Butzlaff und Sören Messinger-Zimmer vom Göttinger Institut für Demokratieforschung eingeladen, wo man sich seit mehreren Jahren wissenschaftlich mit neuen Protestbewegungen wie dem Konflikt um den Bahnhof "Stuttgart 21" auseinandersetzt. Die Göttinger Forscher beschrieben die Aktivisten solcher Protestbewegungen als hoch engagiert und hochgebildet, äußert selbstbewusst, kritisch bis ablehnend gegenüber bestehenden politischen Systemen und wenig kompromissbereit. "Aktivisten in Bürgerprotesten gehören im Grunde der gleichen Personengruppe an wie diejenigen, die sich in bestehenden Systemen engagieren", so Sören Messinger-Zimmer. "Aber alte Entscheidungswege oder Begründungen reichen ihnen nicht mehr, um eine Entscheidung akzeptieren zu können." Würden Impulse der Aktivisten nicht gehört, führe dies oftmals zu Frustration, radikaler Opposition und damit zum Ausschluss engagierter Menschen mit vielen Ideen.

Die Göttinger Wissenschaftler sprachen auch über diejenige Gruppe, die ihre Ablehnung des bestehenden Systems nicht mit Kritik, sondern mit Passivität und Rückzug ausdrücke. Dr. Felix Butzlaff machte in diesem Zusammenhang einen weitgehenden Vertrauensverlust in das politische System aus. Dies könne zum Beispiel dazu führen, dass stattdessen aus einem Kollektiv wie der Nation Vertrauen geschöpft werde, was etwa zu dem Erfolg von "Pegida" oder auch der AfD beigetragen habe.

Zum Abschluss betonten Dr. Felix Butzlaff und Sören Messinger-Zimmer die große Bedeutung vermittelnder Institutionen angesichts der beiden Protestformen. Es sei eine wichtige Aufgabe jeder Organisation, den Wert von Vermittlung zu begründen und einsichtig zu machen.

Zusammen mit Erzbischof Hans-Josef Becker, Generalvikar Alfons Hardt und weiteren Mitgliedern der Bistumsleitung diskutierte der Diözesanpastoralrat im Anschluss, welche Folgen die Erkenntnisse der Göttinger Wissenschaftler für das Erzbistum Paderborn haben könnte. Das Gremium sah es als notwendig an, ein "Frühwarnsystem" zu entwickeln, damit von Seiten des Erzbistums frühzeitig auf entstehende Konflikte reagiert und eine Eskalation vermieden werden könne. Vorgeschlagen wurde auch ein stärkerer Aufbau von Kompetenzen zum Umgang mit Protesten, weil im Erzbistum in Zukunft mit Konflikten zu rechnen sei. Ein anderer Weg wurde darin gesehen, bessere Formen von Beteiligung und größere Transparenz zu schaffen. Weiterhin wurde gefragt, wie die positive Energie, die sich in Protesten äußere, genutzt werden könne.

Im Juni 2015 hatte der Diözesanpastoralrat auf Bitten von Erzbischof Becker beschlossen, zunächst bis zum Diözesanen Forum 2017 als "Begleit-, Resonanz- und Beratungsgremium" für den Prozess der Bistumsentwicklung im Erzbistum Paderborn zu fungieren. Seitdem tagt das Gremium zweitägig, um über wichtige Themen des Zukunftsbildes zu sprechen.


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